Diese Woche sass ich endlich im Führerstand eines Cobra-Trams in Zürich. Für viele ist das einfach ein Tram. Für mich war dieser Moment mehr: ein Zeichen dafür, wie stabile Energie entsteht, wenn wir unserer inneren Richtung folgen.
Vor Jahren hatte ich einen beruflichen Wunsch, der nie ganz verschwunden ist. Ich wollte weg vom reinen Wohnungsbau und hin zu komplexen Infrastruktur- und Werkstattprojekten. Damals schien dieser Weg unrealistisch. Doch manchmal verschwindet ein Traum nicht – er wartet nur auf den richtigen Zeitpunkt.
Heute weiss ich: Stabile Energie entsteht nicht nur durch Pausen oder weniger Belastung. Sie entsteht oft dann, wenn unsere Arbeit zu unserem Denken, unseren Fähigkeiten und unserer inneren Ausrichtung passt.
Nicht, als hätte ich je Tramfahrerin werden wollen, die momentan übrigens gesucht werden. Dieser Moment hat an etwas angeschlossen, das in mir schon vor Jahren aufgeleuchtet ist.
Vor etwa sieben Jahren entstand in mir ein grosser beruflicher Wunsch. Ich wollte als Architektin weg vom reinen Wohnungsbau und stärker in Richtung Gewerbebau, Serviceanlagen, technische Infrastruktur und Werkstätten. Ich wollte an Orten arbeiten, an denen Architektur nicht nur schön oder wohnlich sein muss, sondern komplexe Abläufe, Menschen, Technik, Nutzung und Zukunft zusammenbringen darf.
Damals hörte ich von einer grossen Werkstatt, der umgebaut und auf heutigen Anforderungen ausgerüstet werden soll, in der Reparaturen, Umbauten und verschiedene Anforderungen der Nutzer, des Betreibers, die technische Anforderungen, Haltbarkeit, Effektivität, und nicht zuletzt die räumliche Herausforderungen zusammengeführt werden sollten.
Der Architekt, mit dem ich gesprochen habe, hat nur geschimpft, wie schwer es ist, in einem bestehenden Gebäude alles zu harmonisieren. «Genau für mich geeignet, das ist mein Gebiet!» dachte ich. Ich habe diese liebe zu Komplexität und schrecke nicht so früh zurück.
Und sofort war da diese innere Flamme: «Das ist meine Richtung». So eine Aufgabe möchte ich lösen, die genau die Art von Denken verlangt, die mich in Feuer und Flamme bringt. Das macht den Alltag richtig flowing und lebendig!
Komplex genug, damit es interessant wird. Und noch mehr : Konzeptuell, analytisch. Alles muss langfristig funktionieren, weil solche Umbauten macht man, wenn möglich, nicht jedes Jahrzehnt.
Bis ich mich bewerben wollte, wurde das Projekt abgebrochen, also blieb ich weiter im Wohnungsbau. Das war nicht falsch, es war allerdings auch nicht ganz der Ort, an dem meine berufliche Energie wirklich aufleuchtete.
Richtung wird unklar: Manchmal verschwindet ein Traum nicht, wird nur in Hintergrund gesetzt.
Viele berufliche Träume verschwinden nicht wirklich, werden mit der Zeit überlagert. Von der nächsten Aufgabe, die erledigt werden muss. von der Gedanke „Hast du nicht Studiert, lass die Finger davon. Schuster .. eben“
Und irgendwann denkt man vielleicht: Es war wohl nur eine dumme Idee. Wie komme ich denn darauf überhaupt?
Manchmal weiss ich allerdings ganz sicher , es war ein Hinweis auf eine Richtung.
Gestern sass ich also in einer Serviceanlage, im Depot, im Führerstand meines Lieblingstrams. Wir hatten Kick-off für eine Studienarbeit. Es geht um Werkstätten, komplexe Anforderungen, Kosten, politische Rahmenbedingungen, Denkmalschutz und die Frage, was für die nächsten Jahrzehnte tragfähig bleiben soll.
Und plötzlich war dieser alte Faden wieder da.
Ich kann mein architektonisches Denken einbringen. Meine Erfahrung. Meine Kenntnisse aus Gleisbau und gleisverbundenen Fahrzeugen. Mein Interesse an Systemen, Abläufen und langfristiger Nutzung.
Ich sass dort und spürte die Energie und die Zeit der Motivation:
Ich bin vielleicht keine Tramfahrerin geworden, aber ich bin an einem Traumfahrerinnen-Platz angekommen.
Energie entsteht nicht nur durch Entlastung
Wenn wir über stabile Energie sprechen, denken viele zuerst an Erholung und Pausen, regelmässiger Schlaf, Planung und Grenzen halten zu können.
Das alles ist sehr wichtig, es gibt dennoch eine andere Ebene. Stabile Energie entsteht auch durch deine Ausrichtung. Wenn deine Arbeit wieder näher an dem liegt, was dich wirklich interessiert und nicht jeden tag gefühlt grundlos Zeit verbringst. Suche, wo
– deine Fähigkeiten gebraucht werden.
– die Aufgabe sinnvoll ist.
– und dein Denken gebraucht wird.
Eine Aufgabe kann dir viel Kraft kosten und trotzdem Energie geben. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Es gibt Arbeit, die erschöpft, weil sie uns von uns selbst entfernt. Und es gibt Arbeit, die fordert, aber innerlich aufrichtet. Für sensitive Selbstständige und Führungspersonen ist diese Unterscheidung zentral. Sie nehmen oft sehr genau wahr, ob etwas nur anstrengend ist oder ob es gleichzeitig Richtung gibt.
Ist eine Aufgabe falsch oder richtig, wenn weniger oder mehr anspruchsvoll? Der wirklich wichtiger Unterschied liegt darin, ob sie dich lebendiger, klarer und wirksamer macht, oder ob sie dich leerer, kleiner und fremder zurücklässt.
Gab es mal eine Richtung, der alte Faden wird wieder sichtbar
Vielleicht kennst du das auch.
Du hast irgendwann einen Wunsch gespürt, eine magnetische Richtung und die Vorstellung davon, ein bestimmter Punkt von der speziellen Arbeit dich interessieren würde. Du hast den Wunsch für dumm gehalten, verworfen, abgeschaltet, weil es nicht realistisch aussah.
Gab es eine Stelle, ein Projekt, aber ohne der passenden Form? Hast du dich beworben, aber nicht beim richtigen Menschen, dass der Job nicht zu Stande kam?
Vielleicht hast du dann in dem vernünftigen Job weitergemacht. Doch blieb etwas davon im Hintergrund, wo dein Wirkungsfeld ist.
Ich bin sicher, ein starker Faden zeigt sich später wieder und wieder. Die Kunst ist, diese Zeichen zu erkennen. Nicht genauso, wie man ihn ursprünglich geplant hatte. Aber in einem anderen, reiferen Kontext oder in einem Tarnanzug. Manchmal auch anschlussfähiger.
Es lohnt sich hinzuschauen. Die Sehnsucht, egal wie kurz es ausfällt, ist ein Zeichen, ein Auftrag.
Die Frage für die Ausrichtung deiner Energie
Erzähle, wie war es bei dir? Kam auch das Leben dazwischen? Wenn deine Energie schwankt, lohnt es sich zu fragen:
- Welche Art von Arbeit richtet mich innerlich auf?
- Wo fühle ich mich sinnvoll gefordert?
Stabile Energie entsteht nicht dadurch, dass alles leicht wird.
Mein Lernen daraus
Ich habe aus diesem Moment im Führerstand etwas mitgenommen: Manchmal fährt uns der Traum auf den Lebensweg mit Umwegen an den Ort, den wir einmal gewünscht hatten.
Wenn ein Wunsch echt war, kann er in anderer Form wieder auftauchen: anstatt als gerader Weg, als Aufgabe, die plötzlich etwas in uns wachruft.
Dieser Moment war ein echtes Zeichen: Meine Energie wird stabiler, wenn ich nicht nur funktioniere, sondern an Aufgaben arbeite, die meinem Denken entsprechen sinnvoll, komplex, brauchbar und zukunftsfähig. Hier findest du meine weitere Artikel zu Energiemanagement
„Nur schön“ reicht nicht für echten, intrinsisch motivierten Aufgaben.
In meiner Facebook-Gruppe Stabile Energie geht es genau um solche Fragen:
Wie erkennst du, was dich wirklich trägt?
Wenn du sensitiv bist, viel wahrnimmst und verlässlich wirksam bleiben möchtest, bist du herzlich willkommen.
Vielleicht wartet dein eigener Traumfahrerinnen-Platz nicht dort, wo du ihn damals gesucht hast. Aber du kannst hinschauen, ist der Faden noch da? Vielleicht ist es jetzt der Moment, ihn wieder ernst zu nehmen.
Gibt es in deiner Vergangenheit ein Moment, was du gespürt hast, dass es dich beflügelt und mitreisst?

